Arzneipflanzen Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Allgemeines

Arzneipflanzen werden seit Menschengedenken erfolgreich bei der Behandlung von Erkrankungen und Befindlichkeitsstörungen eingesetzt. Kamillen- und Pfefferminztee gegen Magenverstimmungen oder Erkältungen, aber auch Ringelblumensalbe oder Johanniskrautkapseln zählen sicher zu den bekanntesten. In den letzten Jahren erfreuen sich diese so genannten Phytopharmaka immer größerer Beliebtheit. Das spiegelt sich auch in dem großen Anteil wider, den die pflanzlichen Präparate am deutschen Gesundheits- und Arzneimittelmarkt ausmachen. 

Dennoch kommen nur einige der in Deutschland verwendeten Arzneipflanzen aus heimischem Anbau. Der Großteil wird nach wie vor importiert und stammt überwiegend aus Wildsammlungen. Dabei bestehen gute Absatzchancen für Arzneipflanzen heimischer Herkunft: Viele Hersteller von Phytopharmaka bevorzugen Pflanzen aus kontrolliertem Anbau, da nur sie eine gleich bleibend hohe Qualität gewährleisten. Der Arzneipflanzenanbau ist aber nicht nur zur Sicherung des Angebots für Pharmahersteller attraktiv, er bietet auch eine interessante Alternative für die Landwirtschaft, die eine hohe Wertschöpfung verspricht und zum Erhalt von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum beiträgt. Mit Heilpflanzen können selbst auf kleineren Flächen hohe Erlöse erzielt werden. Voraussetzung ist, dass sich der Landwirt intensiv mit den meist züchterisch wenig bearbeiteten Arten beschäftigt, Erfahrungen sammelt und in erforderlicher Spezialtechnik investiert. Im Interesse der Risikominimierung erfolgt der überwiegende Teil des Anbaus bedarfsgerecht über den Vertragsanbau, d.h. auf der Basis enger Beziehungen zwischen Landwirt und Abnehmer. Schließlich führt der Anbau von Arzneipflanzen zu einer größeren Biodiversität und bereichert die Kulturlandschaft. Im Aktionsplan der Bundesregierung zur stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe ist das Ziel einer Verdopplung der gegenwärtigen Anbaufläche von Arzneipflanzen bis 2020 festgeschrieben.

Diese Internetseite gibt einen Überblick über die zur Behandlung von verschiedenen Erkrankungen.

Purpurfarbener Sonnenhut (Echinacea purpurea), Fotolia
Foto: Purpurfarbener Sonnenhut (Echinacea purpurea), Fotolia

Seit Jahrtausenden hat sich ein großes Wissen über Wirkungen und Wirksamkeit von Arzneipflanzen angesammelt, so dass sie gezielt sowohl vorbeugend als auch zur Therapie von Befindlichkeitsstörungen und Erkrankungen eingesetzt werden können. Im Idealfall behandelt man nur mit einer Arzneipflanze, da man annimmt, dass die Inhaltsstoffe spezifischer Pflanzen den menschlichen Stoffwechsel gezielt beeinflussen. Aus umfangreichen Forschungen liegen Erkenntnisse vor, wie einzelne Inhaltsstoffe bzw. komplexe Inhaltsstoffgemische einer Pflanze auf den menschlichen Stoffwechsel wirken. Klinische Studien haben die Wirksamkeit einer Vielzahl von Arzneipflanzen zur Behandlung menschlicher Erkrankungen nachgewiesen, teilweise sogar im Vergleich zu chemisch-synthetischen Wirkstoffen. Der gezielte Einsatz einzelner Arzneipflanzen zur Behandlung von Erkrankungen wird als "Rationale Phytotherapie", d. h. als rationale Lehre zur medizinischen Wirkung von Arzneipflanzen, bezeichnet.

Phytopharmaka erfreuen sich in Deutschland großer Beliebtheit. Griffen Anfang der 70er Jahre nur 52 Prozent der Bevölkerung auf Naturheilmittel zurück, waren es laut einer Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach 2002 bereits 73 Prozent. Vor allem zur Behandlung von leichten Erkrankungen und Befindlichkeitsstörungen wie Erkältung, Verdauungs- und Magenbeschwerden, Schlaflosigkeit sowie Nervosität nimmt sie der Verbraucher im Zuge der Selbstmedikation eigenverantwortlich ein.

Erzeugung pflanzlicher Wirkstoffe
Foto: Erzeugung pflanzlicher Wirkstoffe, agenda