Arzneipflanzen Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Arzneipflanzen in der traditionellen chinesischen Medizin

Arzneipflanzen in der Traditionellen Chinesischen Medizin

Während die europäische Medizin meistens einzelne Pflanzen nutzt, setzt die Jahrtausende alte Traditionelle Chinesische Medizin Arzneipflanzen stets in Mischungen ein. Denn sie nimmt an, dass die Wirkung des Hauptbestandteils durch weitere Bestandteile unterstützt und eventuelle Nebenwirkungen gemindert werden. Das zurzeit gültige Chinesische Arzneibuch kennt über 500 Arzneidrogen, von denen die meisten auf Arzneipflanzen zurückgehen; darüber hinaus werden volksmedizinisch ca. 7.000 Pflanzenarten, d. h. ca. 20 Prozent der chinesischen Flora, genutzt. Diese Arzneipflanzen werden auf verschiedenste Weisen zubereitet, z. B. gedämpft, gekocht, geröstet, mit Schwefeldämpfen geräuchert, mit Alkohol, Wein, Salzlösungen oder Honig behandelt. Eine der Traditionellen Chinesischen Medizin folgende Apotheke hält somit rund 600 bis 800 Substanzen vorrätig, von denen viele auf Arzneipflanzen zurückgehen. In der Regel werden ca. vier bis zehn dieser Substanzen als Mischung zu einem Dekokt, einem wässrigen, durch Abkochen gewonnenen Drogenauszug, verarbeitet. Neben der Akupunktur stellt die Nutzung von Arzneipflanzen das wichtigste therapeutische Prinzip der Traditionellen Chinesischen Medizin dar.

Die Anwendung der chinesischen Heilpflanzen ist in eine Medizintheorie eingebettet, die sich von der westlichen unterscheidet. Eine wesentliche Rolle spielen die gegensätzlichen und sich zugleich ergänzenden Kräftegruppen "yin" und "yang" sowie die fünf Wandlungsphasen "Holz", "Feuer", "Erde", "Metall" und "Wasser", denen zugleich die Funktionsbereiche "Leber", "Herz", "Milz", "Magen" und "Lunge" zugeordnet werden, wobei hierunter neben den Organen weitere Teile des menschlichen Körpers verstanden werden. Gerät die Lebensenergie "qi" aus dem Gleichgewicht, treten im menschlichen Organismus in den einzelnen Funktionsbereichen zunächst Befindlichkeitsstörungen, später Krankheiten auf. Ziel der chinesischen Medizin ist es, das zu vermeiden.

Im Zuge der Annäherung an die westliche Welt werden auch für chinesische Arzneipflanzen verstärkt Anwendungsbereiche nach westlichem Muster beschrieben. Das sorgte auch für größere Akzeptanz der Traditionellen Chinesischen Medizin in der westlichen Welt.

In den verschiedenen Teilen Chinas kommen für die einzelnen arzneilichen Substanzen teilweise unterschiedliche Arzneipflanzen oder Zubereitungen zum Einsatz. In Europa lassen sich Identität, Reinheit und Inhaltsstoffgehalt importierter Arzneipflanzen anhand des Chinesischen Arzneibuchs sowie weiterer Arzneipflanzenbeschreibungen daher nur bedingt nachvollziehen. Zusätzlich weisen viele der Importe aus China außergewöhnliche Verunreinigungen wie Schwermetalle, Pflanzenschutzmittelrückstände, Schimmelpilztoxine, Mikroorganismen u. a. auf, die nach dem Deutschen und Europäischen Arzneibuch nicht oder nur in begrenzten Mengen in Arzneidrogen vorhanden sein dürfen.

In Deutschland werden daher in den letzten Jahren Untersuchungen zum Anbau spezieller chinesischer Arzneipflanzen durchgeführt. Langfristig sollen Arzneipflanzen von hoher und dokumentierter Qualität für die chinesische Medizin zur Verfügung stehen. Chinesischer Engelwurz (Angelica dahurica), Chinesischer Salbei (Salvia miltiorrhiza), Fangfeng (Saposhnikovia divaricata), Helmkraut (Scutellaria baicalensis), Besenbeifußkraut (Artemisia scoparia), Chinesisches Mutterkraut (Leonurus japonicus), Chinesischer Tragant (Astragalus mongholicus), Sibirische Spitzklette (Xanthium sibiricum) und Siegesbeckienkraut (Siegesbeckia pubescens) befinden sich bereits im professionellen Anbau.