Arzneipflanzen Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Nieren und Harnwege

Nieren und Harnwege

Entzündliche Erkrankungen der Nieren und Harnwege werden zumeist durch Bakterien hervorgerufen, die über die Harnröhre in die Harnblase aufsteigen und sich dort vermehren. Sollte sich die Erkrankung über die Harnleiter ausbreiten, können Nieren und Nierenbecken ebenfalls von Entzündungen betroffen sein.

Bei leichten Entzündungen, die nur geringe Schmerzen und häufiges Wasserlassen verursachen, können Nieren und Harnwege mit Flüssigkeitsmengen von zwei bis drei Litern pro Tag durchgespült werden; Bakterien werden dabei ausgeschwemmt. Pflanzliche Präparate unterstützen diesen Vorgang nicht nur, sondern wirken auch krampflösend und entzündungshemmend. Die zur Behandlung von entzündlichen Nieren- und Harnwegserkrankungen genutzten Arzneipflanzen sowie die verwendeten Pflanzenteile sind in Tabelle 9 zusammengestellt; diese finden häufig in Kombination Verwendung.

Aufgrund ihrer harntreibenden Wirkung werden verschiedene Arzneipflanzenzubereitungen aus Birkenblättern, Brennnesselkraut, Gartenbohnenhülsen, Goldrutenkraut, Petersilienkraut, Queckenwurzel, Schachtelhalm, Wacholderbeeren, Hauhechelwurzel und Orthosiphonblättern für die Durchspülungstherapie eingesetzt. Der dornige, krautige Hauhechel ist in Europa, Nordafrika und Westasien beheimatet, Orthosiphon dagegen kommt aus Asien.

Birkenblätter, Goldrutenkraut, Hauhechelwurzel und Orthosiphonblätter wirken nicht nur harntreibend, sondern lösen auch Verkrampfungen im Bereich der Nieren und Harnwege.

Über eine bakterienabtötende und leicht desinfizierende Wirkung verfügen Zubereitungen aus Birkenblättern, Brennnesselkraut, Brunnenkresse, Goldrutenkraut, Hauhechelwurzel, Kapuzinerkresse, Liebstöckelwurzel, Meerrettichwurzel, Orthosiphonblättern, Petersilienkraut, Queckenwurzel, Wacholderbeeren, Buccoblättern und Weißem Sandelholz. Bei Buccoblättern handelt es sich um die Blätter des in Südafrika beheimateten Buccostrauches, bei Weißem Sandelholz um das Kernholz des in Ostindien anzutreffenden Sandelholzbaums.

Als leichtes Antibiotikum sind Bärentraubenblätter einzustufen, da sie die antibakteriell wirkende Substanz Arbutin enthalten. Die Wirkung von Arbutin erlischt jedoch in saurer Umgebung, so dass bei der Anwendung von Bärentraubenblättern auf saure Lebensmittel wie beispielsweise Obst und Obstsäfte verzichtet werden sollte.

Sollten im Zuge der Nieren- und Harnwegsentzündungen stärkere Schmerzen in der Nierengegend und starkes Brennen beim Wasserlassen auftreten, ist die Wirkung der pflanzlichen Arzneimittel zur Behandlung der Erkrankung nicht ausreichend; entsprechend besteht die Notwendigkeit, einen Arzt aufzusuchen und gegebenenfalls chemisch-synthetische Arzneimittel einzunehmen.

Tabelle 9: Anwendungsgebiet Nieren und Harnwege