Arzneipflanzen Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Johanniskraut

Johanniskraut (Hypericum perforatum L.)

Johanniskraut zählt zu den wichtigsten in Deutschland produzierten und zu Phytopharmaka verarbeiteten Arzneipflanzen. Damit werden nicht nur Wunden, sondern auch depressive Verstimmungszustände und leichte bis mittelschwere Depressionen behandelt. 52 Phytopharmaka und 26 Homöopathika sind auf dem Markt.

Synonyme
Tüpfel, Hartheu, Blutkraut, Wundkraut, Sonnwendkraut, Konradskraut, Hexenkraut, Herrgottsblut, Johannisblut, Teufelsflucht, Mannskraft, Jagateufel, Maria Bettstroh, Elfenblut, Frauenkraut, Waldhopfen, Tausendlochkraut

Biologie
Johanniskraut gehört zur Familie der Hartheugewächse (Hypericaceae). Weltweit gibt es ca. 400 Arten, in Mitteleuropa kommen zehn von ihnen vor. Es handelt sich um eine 70 bis 90 cm hohe, krautige, mehrjährige und ausläuferbildende Pflanze. Der reichästige Stängel ist zweikantig und unterscheidet das Johanniskraut von anderen Hypericum-Arten. Die Blätter sind gegenständig angeordnet und wirken durch ölhaltige Extraktbehälter punktiert. Die Blüten, die je nach Witterung von Juni bis September erscheinen, verfügen über fünf grüne ovale und lanzettförmige Kelchblätter. Die Blüten selbst sind gelb mit dunklen Strichen. Die zahlreichen Staubblätter sind in drei Büschel gefasst. Zur Reife setzen die dreifachen Kapseln viele Samen frei, die zylindrisch, feinwarzig und dunkelbraun sind.

Vorkommen
Johanniskraut kommt in Europa, Asien sowie Nord- und Südamerika als Wildpflanze vor allem an trockenen und sonnigen Standorten wie z. B. Wegrändern, Bahndämmen und Brachen vor. Johanniskraut ist frosthart. Überwog früher die Wildsammlung, stammt Johanniskraut jetzt überwiegend aus kontrolliertem Anbau in Deutsch­land, Polen und Südamerika.

Anbau
Der Anbau von Johanniskraut erfolgt auf mageren Böden an sonnigen Standorten. Günstige Böden sind sorptionsstark, humos und unkrautarm. Der pH-Wert der Böden sollte neutral bis leicht alkalisch sein, da die Pflanze bei sauren pH-Werten verstärkt Cadmium aufnimmt. Angebaut wird durch Aussaat oder Pflanzung.
Mehrjähriges Johanniskraut wird in der Regel über zwei Jahre beerntet; eventuell kann eine dreijährige Kultur erfolgen.

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile
Für die Produktion von Phytopharmaka werden die wirkstoffhaltigen Knospen, Blüten und Zweigspitzen zu Beginn der Blütezeit geerntet; das getrocknete Pflanzenmaterial (Droge) wird lateinisch als Hyperici herba bezeichnet.

Inhaltsstoffe

  • Hypericine
  • Hyperforine
  • Flavonoide
  • ätherisches Öl
  • Gerbstoffe

Zubereitungen
Aus Johanniskraut mit einem geringen Anteil an Knospen und Blüten stellt man Tee her. Johanniskrautöl (Oleum Hyperici) entsteht, wenn zerquetschte Johanniskrautblüten mit Olivenöl übergossen werden und anschließend bei Sonnenbestrahlung gären. In modernen Phytopharmaka (Kapseln, Tabletten) werden Extrakte eingesetzt, die durch Auszug der wirkstoffhaltigen Knospen, Blüten und Zweigspitzen des Johanniskrauts mit einem wässrig-alkoholischen Extraktionsmittel gewonnen werden.

Pharmakologische und medizinische Wirkung
Johanniskrautöl hilft traditionell nicht nur bei Verbrennungen der Haut, sondern auch bei scharfen und stumpfen Verletzungen sowie Muskelschmerzen. Heute dienen hochdosierte Extrakte der Behandlung depressiver Verstimmungen und leichter bis mittelschwerer Depressionen. Klinische Studien belegen, dass definierte Präparate mit alkoholischem Johanniskrautextrakt eine synthetischen Antidepressiva vergleichbare Wirkung haben. Johanniskrautpräparate sind gut verträglich, Nebenwirkungen treten selten auf. Die Kommission E empfiehlt eine Mindesttagesdosis von 300 mg und eine Regeltagesdosis von ca. 900 mg Johanniskrautextrakt. Im Johanniskraut enthaltene Hypericine können bei wesentlicher Überdosierung zu einer Überempfindlichkeit gegen Licht führen. Auch sind Wechselwirkungen hochdosierter Johanniskrautpräparate mit bestimmten chemisch­synthetischen Arzneimitteln bekannt.

Johanniskraut (Hypericum perforatum L.)
Foto: Johanniskraut (Hypericum perforatum L.), DIGITALstock