Arzneipflanzen Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Thymian

 

Thymian (Thymus vulgaris L.)

Thymian ist eine der wichtigsten in Deutschland produzierten und zu Arzneimitteln verarbeiteten Arzneipflanzen. 61 Phytopharmaka und ein Homöopathikum sind auf dem Markt. Mit Thymian werden nicht nur Erkältungskrankheiten der oberen Atemwege behandelt, er ist auch in Kosmetika enthalten und ein wichtiges Gewürz.

Synonyme
Echter Thymian, Gartenthymian, Immenkraut, Demut, Küchenpolisch, Quendel, Suppenkraut, Kuttelkraut, Wurstkraut, Zimis, Hühnerkohl

Biologie
Thymian gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae, Labiatae). Der 10 bis 45 cm hohe, immergrüne, ausdauernde Halbstrauch hat ein kräftiges Wurzelsystem, dessen untere Teile im Laufe der Jahre verholzen. Die vierkantigen Stängel sind kurz behaart. Charakteristisch sind die kurz- oder ungestielten, 4 bis 10 mm langen, länglich bis elliptisch geformten Blätter, die am Rande eingerollt und insbesondere auf der Blattunterseite graufilzig behaart sind. Von Mai bis Oktober werden hellrosa bis blauviolett gefärbte Blüten getrieben, von denen 2 bis 3 als Scheinwirtel in den Blattachseln sitzen. Bei den Früchten handelt es sich um hell- bis dunkelbraune kugelige Nüsschen, die bis zu 1 mm groß werden.

Vorkommen
Thymian ist im Mittelmeerraum, auf dem Balkan und im Kaukasus beheimatet und wächst bevorzugt an trockenen und sonnigen Plätzen zwischen Felsen und auf Schotterhalden. Er ist zwischenzeitlich in ganz Europa sowie in Nordamerika verbreitet; in Europa wird er vielfach kultiviert. Thymian duldet leichte Fröste. Für Phytopharmaka werden vor allem in Deutschland, aber auch in anderen Ländern wie Spanien, Polen und Ungarn angebaute Pflanzen genutzt.

Anbau
Der Anbau von Thymian erfolgt auf steinigen, trockenen und kalkhaltigen Böden in warmer und sonniger Lage. Aussaat oder Pflanzung sind möglich, wobei die geringe Samengröße die Aussaat erschwert.

Zur Produktion von Phytopharmaka verwendete Pflanzenteile
Für Phytopharmaka werden Blätter und Blüten während der Blüte geerntet. Das getrocknete Pflanzenmaterial (Droge) wird lateinisch als Thymiherba bezeichnet.

Inhaltsstoffe

  • ätherisches Öl, bestehend aus Thymol, Carvacrol, Cymol, Linalool, Borneol, Pinen, Campher, Limonen und Cineol
  • Flavonoide
  • Tannine und andere Gerbstoffe
  • Polysaccharide
  • Bitterstoffe
  • Triterpene
  • Phenolcarbonsäuren

Zubereitungen
Während die traditionelle Medizin auf Thymiantees setzt, nutzt man heute über Wasserdampfdestillation gewonnenes ätherisches Öl, lat. Thymi vulgari aetheroleum, oder Presssaft.
Kapseln und Tabletten enthalten Extrakte, die durch Auszug des wirkstoffhaltigen Krauts mit einem wässrigen, alkoholischen oder wässrig-alkoholisch-ammoniakalischen glycerinhaltigen Extraktionsmittel gewonnen werden.

Pharmakologische und medizinische Wirkung
Die Volksmedizin behandelt mit Thymian schwere Verdauung, chronische Magenschleimhautentzündung, Asthma, Kehlkopfentzündung, Bettnässen von Kindern und verschiedene Hautkrankheiten und schlecht heilende Wunden. Die Wirksamkeit ist bei diesen Anwendungsgebieten jedoch nicht bewiesen. Ähnlich wie Pfefferminzöl ist auch Thymianöl traditionell in Lutschtabletten, Hustenpastillen und Gurgelwasser enthalten. Als Geschmacksstoff löst es vermehrten Speichelfluss und Schluckreiz aus, der einem Hustenstoß entgegenwirkt. Als Bestandteil von Gurgelwasser reinigt es Mund und Rachenraum von Bakterien und Pilzen und wirkt Entzündungen entgegen. Auch moderne Phytopharmaka wie Tabletten, Kapseln und Säfte machen sich die krampflösenden und den Auswurf fördernden Eigenschaften zu nutze. Sie helfen bei Erkältungskrankheiten der oberen Atemwege mit zähflüssigem Schleim, Entzündungen der oberen Luftwege (Bronchitis), Krampfhusten, Keuchhusten und Katarrhen. Die Kommission E rät zu 1 bis 2 g getrocknetem Thymiankraut pro Tasse Tee bei mehrmaliger Einnahme am Tag oder im Falle eines Flüssigextrakts bis zu 1 bis 2 g 1 bis 3 mal am Tag. Für Umschläge empfiehlt sich die Anwendung eines fünf prozentigen Aufgusses. Thymian gilt als nebenwirkungsarm.

Thymian (Thymus vulgaris L.)
Foto: Thymian (Thymus vulgaris L.), Bionorica SE
 
Basisdaten Nachwachsende Rohstoffe